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Die Datierung des Osterfestes hat im christlichen Altertum wiederholt zu Auseinandersetzungen geführt die, obwohl jeweils verschiedenen Ursprungs, meist unter dem Begriff Osterfeststreit zusammengefaßt werden. In der frühesten Form sind sie nicht nur durch den Gegensatz zwischen Ost und West, sondern auch durch eine andere Auffassung vom Inhalt des Festes in judenchristlicher und heidenchristlicher Mission veranlaßt.

Im Mittelpunkt dieser Kontroverse stehen die Quartodezimaner, eine Gruppe von Christen, hauptsächlich in Kleinasien und Syrien, die den 14. Nisan (die quarta decima), den Tag des jüdischen Passah, als Tag des christlichen Passah, beginnen ohne Rücksicht darauf, ob er auf einen Sonntag fiel oder nicht. Der Grund dürfte darin liegen, daß der 14. Nisan als Passahtag durch Ex 12,6 vorgeschrieben war und die Christen Kleinasiens diesen Tag als Todestag des Herrn und Gedächtnis der Erlösung mit einer Agape und Eucharistie feierten, der die Lesung und Erklärung von Ex 12 vorausging. In dieser zeitlichen Festlegung und liturgischen Form lebt wahrscheinlich die christliche Passahfeier der Urgemeinde weiter. Im Zentrum der Heidenmission, in Rom, dagegen hat man schon früh, mehr die Auferstehung des Herrn betont, die am 1. Sonntag nach dem 14. Nisan gefeiert wurde und die Loslösung von Judentum stärker zum Ausdruck brachte als die Passahfeier der Quartodezimaner. Dem römischen Brauch schlossen sich die meisten Kirchen an, so daß die Praxis der Kleinasiaten sehr bald als Abweichung empfunden wurde und zu Streitigkeiten führte.

Den 1. Versuch, diese beizulegen, machte Papst Aniketos in seiner Verhandlung mit Bischof Polykarpos von Smyrna in Rom. Obwohl beide in bestem Einvernehmen voneinander schieden, kam es zu keiner Verständigung, da Polykarpos sich für die Praxis der Quartodezimaner auf die Urgemeinde, näherhin auf Johannes, den Lieblingsjünger des Herrn, und auf die Apostelschüler berief, mit denen er persönlich Umgang gehabt hatte, während Aniketos erklärte, er müsse an dem Brauch seiner Vorgänger festhalten. Wie weit der letztere zurückreicht, läßt sich bei der Spärlichkeit der Quellen schlecht feststellen. Eirenaios von Lyon ist der Ansicht, daß Ostern in dieser Form seit der Zeit Sixtus I. (um 115) in Rom gefeiert wurde (Eusebios HE V 24, 14).

Zu einem mehr lokal begrenzten Osterfeststreit kam es gegen 168 in Laodikeia in Phrygien. Hier handelte es sich aber nicht um den Gegensatz zwischen quartodezimanischer und römischer Praxis, sondern um die Verteidigung der ersteren gegen eine neue Partei, die mit Berufung auf Matthäus behauptete, Christus habe selbst mit seinen Jüngern das jüdische Passah gefeiert und sei erst am 15. Nisan gekreuzigt worden, so daß das christliche Fest an diesem Tage zu begeben sei. Dieser Ansicht traten die beiden Bischöfe Apollonarios von Hierapolis in Phrygien und Meliton von Sardes in ihren nicht erhaltenen Schriften „Über das Passah“ entgegen, die an dem Datum des 14. Nisan für den Tod und die Grablegung Christi festhielten (Melitons neuentdeckte Schrift „De passione“ stellt eine sehr wertvolle Homilie über Ex für die christliche Passahfeier des 14. Nisan dar).

Inzwischen hatte sich sogar in Rom eine quartodezimanische Partei gebildet (Eusebios HE V 16, 20). Eine noch ernstere Lage entwickelte sich, als Papst Victor I. sich zu energischen Maßnahmen entschloß, um zu einer einheitlichen Regelung zu gelangen. Zunächst fanden auf seine Veranlassung mehrere Synoden statt in Gallien, zu Kaisareia in Palästina, in Pontos und in der Osrhoëne, zu Korinth und in Rom selbst, die sich alle für die römische Praxis aussprachen und ihre Beschlüsse in Synodalschreiben der ganzen Christenheit zur Beachtung mitteilten. Doch hielten die Kleinasiaten mit Bischof Polykrates von Ephesos an der Spitze auch jetzt noch an ihrem quartodezimanischen Brauch fest, so daß Victor sie in öffentlichen Schreiben mit der Exkommunikation bedrohte. Dieses Vorgehen fand jedoch nicht die Billigung aller Bischöfe, am wenigsten die des Bischofs Eirenaios von Lyon, der den Papst in einem Brief darauf hinwies, daß es sich nicht um einen dogmatischen, sondern nur um einen liturgischen Unterschied handle. Sein Brief konnte zwar eine Kirchentrennung verhindern, bewirkte aber auch keine Einigung: Die Asiaten verharrten bei ihrem Brauch. Vergeblich suchte die Synode von Arles (314) eine Einigung herbeizuführen.

Diese wurde erst auf dem 1. allgemeinen Konzil zu Nikaia (325) erreicht, das die römische Praxis zur allgemeinen Anerkennung brachte und die Quartodezimaner exkommunizierte. Der Konzilsbeschluß legt großen Wert auf eine völlige Trennung des christlichen Osterfestes von der jüdischen Passahfeier und sucht sogar ein zufälliges Zusammenfallen dieser beiden Daten durch genaue Anweisung für die Osterfestberechnung zu vermeiden (fällt der 1. Frühlingsvollmond auf einen Sonntag, so ist Ostern erst am darauffolgendem Sonntag zu feiern).

Weitere Schwierigkeiten ergaben sich jedoch aus der Verschiedenheit der Osterzyklen, die zur Berechnung des Osterdatums in Rom und Alexandrien dienten. Bereits im Jahr 222 hatte Hippolytos von Rom den Versuch gemacht, das Osterdatum für eine längere Periode im voraus zu berechnen, und in seiner Schrift „Nachweis des Osterdatums“ einen Zyklus von 16 Jahren aufgestellt, der jedoch fehlerhaft war und deshalb von einem unbekannten Verfasser in einem Werk „De pascha computus“, das sich unter den WW Cyprians findet, verbessert wurde. Zur Zeit des 1. Konzils von Nikaia folgte die römische Kirche einem 84jährigen Zyklus, während die alexandrinische Ostern nach einem 19jährigen, dem sogenannten anatolischen Zyklus, berechnete. Da das Konzil keinen Zyklus festsetzte, blieben beide Kirchen bei ihrem bisherigen. Dadurch entstanden immer wieder Unterschiede in der Ansetzung des Osterdatums. So erwähnt Ambrosius (Ep. 23, 12), daß 387 Ostern zu Rom am 21. März, zu Alexandrien am 25. April und in den anderen Kirchen am 18. April gefeiert wurde. Erst die Bemühungen des Dionysius Exiguus, der die Annahme des alexandrinischen Zyklus in Rom durchsetzte, führten zu einem Ausgleich.

Ein Nachspiel hatten diese Differenzen zwischen Rom und Alexandrien in Irland. Dort hatte Patricius bei der Gründung des Christentums den alten 84jährigen, von Sulpicus verbesserten Zyklus Roms eingeführt, der von Kolumban auch nach Gallien verpflanzt wurde, während die angelsächsischen Missionare in England den inzwischen von Rom adoptierten Zyklus des Dionysius Exiguus übernahmen. Der daraus entstandene Osterfeststreit konnte erst 729 mit der allgemeinen Annahme der alexandrinisch-dionysiusschen Berechnungsweise beigelegt werden.


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